Suhl: SÜGIDA zum achten Mal in Suhl von Protest begleitet

Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Ein weiterer Montag ist Vergangenheit und zum inzwischen achten Mal hat sich in Suhl der deutsche Mob aus altgedienten und jungen Nazis durch die Straßen geschleppt. Auf der anderen Seite lief man für ein buntes Südthüringen durch die Innenstadt. Rund 30–40 Antifaschisten störten den Marsch der Rassisten an ihrer Route.



Naziaufmarsch

Wie schon in den Wochen zuvor traf sich auch diesen Montag in Suhl die geballte Kraft an (Süd-)Thüringer Nazis und Rassisten zum gemeinsamen Event SÜGIDA. Mittlerweile verzeichnet der Aufmarsch nur noch leicht sinkende Teilnehmerzahlen. Mit rund 200–250 Teilnehmern waren es in dieser Woche nur etwas weniger als in der Woche zuvor.

Dieses mal war Patrick Schröder groß als Redner angekündigt. Der Neonazi, der zwar schon von Anfang an dabei war und schon bei vorherigen SÜGIDA-Aufmärschen seinen Beitrag zur verblödenden Demagogie der Rassisten beitrug, wurde vermutlich aus zwei Gründen als Highlight angekündigt. Zum einen wegen seines unersättlichen Drangs nach Selbstprofilierung und zum anderen konnte nicht schon wieder David Köckert als Hauptact angekündigt werden. Köckert, welcher aktuell bei jeder rassistischen Mobilmachung in Thüringen mitwirkt, war ebenfalls wieder angereist, um den Mob auf dem Platz der deutschen Einheit mit seinem Hitler-Geschrei anzupeitschen und mit dem Überschlagen seiner Stimme wie beim Wutanfall eines 14-jährigen pubertierenden Teenagers die Anwesenden zu nerven. Vom Kampfgeist, den Köckert und Co. heraufbeschworen hatten, war später nicht viel zu sehen. Der Trend aus den vergangenen Veranstaltungen setzte sich fort. Während des Marsches zogen die Teilnehmer von SÜGIDA gelangweilt und still durch die Straßen von Suhl. Nur wenn die vermeintliche „Lügenpresse“ oder die „Volksverräter“ in der Nähe waren, konnten noch Kräfte mobilisiert werden, die ewig gleichen Parolen zu krakeelen.

Neben den üblichen lokalen Nazis aus Südthüringen und Franken, die sich an der Organisation von SÜGIDA beteiligten, gesellte sich bereits vor einiger Zeit auch Ringo Köhler aus Piesau hinzu, welcher u.a. den Naziaufmarsch am 1. Mai in Saalfeld mitorganisiert und über längere Zeit beim „Freien Netz Saalfeld“ aktiv war. Er war maßgeblich an der Organisation des „Thüringentag der nationalen Jugend“ in Kahla beteiligt.

Gegenproteste

Auch an diesem Montag versammelten sich rund 120 Menschen auf dem Suhler Marktplatz unter dem Motto „Südthüringen bleibt bunt“. Dort verlas ein Vertreter des NoSügida-Bündnisses ein Pamphlet, welches die inhaltliche Ausrichtung des Bündnisses abstecken sollte. Dass sich das Bündnis für Flüchtlinge einsetzen möchte, ist zwar sicherlich gut gemeint, erscheint jedoch bei den folgenden Formulierungen und der gewünschten Umsetzung nicht zielführend. Ein „verbessertes und schnelleres Asylverfahren“, wie es da zum Beispiel gefordert wird, könnte genau so gut eine Forderung von AfD oder SÜGIDA sein, denn es bedeutet nichts weiter, als eine schnellere Kategorisierung von Menschen nach ihrer Verwertbarkeit und schlussendlich die schnellere Abschiebung zurück in das noch größere Elend, aus dem die Flüchtlinge kamen. Der Zusatz, man fordere ein „faires und gerechtes Einwanderungsgesetz bei dem Menschen nicht nach ihrem vermeintlichen Nutzen für die Bundesrepublik bewertet werden“, scheint den Zusammenhang, in dem die rassistische Asylpolitik in Europa und die kapitalistische Verwertungslogik stehen, auszublenden. Ein weiterer Punkt, den NoSügida in ihrem Schreiben anspricht, ist die Ablehnung von der „Kriminalisierung von friedlichen Protest gegen Rechts seitens konservativer Parteien“ und das „Ausklammern von Gesellschaftskritikern durch die Extremismus-Theorie.“ Nur wissen wir nicht, was außerhalb des friedlichen Protestes dagegen spricht sich aktiv gegen Nazis und Polizei zur Wehr zu setzen. Denn wo Nazis und Staat Gewalt als legitimes Mittel ansehen, um gegen „Gesellschaftskritiker“ vorzugehen, sollte es auch ein legitimes Mittel sein, sich gegen diese Angriffe adäquat zu verteidigen. Während man im weiteren Verlauf des Schreibens „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Auschwitz!“ fordert, wird ein paar Sätze später „jede Art von Krieg, kriegerische Auseinandersetzung und Gewalt egal wo, egal von wem und egal aus welchem Motiv“ abgelehnt und verurteilt. Vergessen ist dabei folgende Wahrheit: Nicht durch Frieden oder durch Pazifismus ist es gelungen, Auschwitz und andere Konzentrationslager zu befreien und dem industriellen Morden der Deutschen ein Ende zu bereiten, sondern nur durch alliiertes Kriegsgerät, Panzerfeuer und die Bombardierung Deutschlands. Wer das vergisst, spuckt jedem gefallenen alliierten Soldaten, Partisanen und Widerstandskämpfer nachträglich auf sein Grab. Diese Form des Pazifismus macht nicht nur blind für jene Konflikte, die im gegenwärtigen Gesellschaftszustand eben nur militärisch zu lösen sind (die Selbstverteidigung Israels oder die Abwehr der IS-Faschisten im Irak und in Syrien), sondern stellt sich automatisch auf die Seite der legitimierten staatlichen Gewalt, eben des Abschiebestaates.

Dass NoSügida die Extremismus-Doktrin ablehnt, aber im gleichen Atemzug von „Rechtsextremen“ im Sinne der Extremismus-Doktrin spricht, ist vermutlich ein Zeichen dafür, dass sich das Bündnis schwer dabei tut, die Teilnehmer von SÜGIDA als das zu benennen, was sie sind: Rassisten und Nazis. Nach einigen Minuten der Rede und selbstgefälligem Applaus war auch das überstanden.

Im Anschluss an die 45-minütige Kundgebung demonstrierte das Bürgerbündnis wieder durch die Innenstadt bis vor das CCS, wo sie, unterstützt durch eine Samba-Truppe, lautstark gegen SÜGIDA demonstrierten. Eben diese Samba-Truppe bekam es später noch mit der Polizei zu tun, die einen reibungslosen Ablauf der Naziveranstaltung nicht durch den Lärm von Trommeln gefährden wollte. Wie bereits in der Woche zuvor war den Ordnungsbehörden daran gelegen, dass die rassistischen Hetze von SÜGIDA weiter klar und deutlich zu verstehen sind.

Am Rande des ganzen Prozederes versammelten sich rund 30–40 Antifaschisten, welche im Vorfeld der Protestaktionen im Wohngebiet der Suhler Aue II Flyer verteilten, die an die Empathie der dort wohnenden Kartoffeln gegenüber den Flüchtlingen in Suhl appellierten und über die Gefahren aufklärten, die vom marodierenden deutschen Mob ausgehen. Entlang der Route der Nazis konnte es so geschafft werden, den Naziaufmarsch lautstark zu stören.

Inzwischen gibt es nach den Aufmärschen auf dem Platz der deutschen Einheit ein „offenes Mikro“, das es jedem Teilnehmer ermöglicht, die eine oder andere Scheußlichkeit auszusprechen und sich vom Mob dafür feiern zu lassen. Dieses Mal nutzten fatalerweise auch zwei Vertreter des NoSÜGIDA-Bündnisses die Möglichkeit, mit Nazis ins Gespräch zu kommen. Das ging gehörig schief, weil, wie wir nicht müde werden dürfen, zu betonen, die Nazis nicht dort sind, um irgendetwas zu begreifen oder sich zu Mitgefühl fähig zu zeigen, sondern um ihre Ressentiments zu pflegen und sich in der Masse Bestätigung für die eigene Menschenverachtung zu suchen. Gegen den geschulten Menschenfeind Patrick Schröder kam man nicht an und verschaffte sich eine denkbar schlechte Ausgangsposition, wenn künftig Nazis auf den NoSÜGIDA-Veranstaltungen sprechen wollen.

Fazit

Mittlerweile kündigen die Nazis von SÜGIDA einen thüringenweiten Zusammenschluss unter dem Namen ThüGIDA an. Inwieweit eine solche Vernetzung sich auf die Naziaufmärsche in Suhl auswirken wird, bleibt offen. Für diese Woche hatten es die Nazis nicht geschafft, ihre sinkenden Teilnehmerzahlen wirksam entgegenzuarbeiten. Ob in Zukunft in anderen Städten von Seiten der Rassisten demonstriert wird , oder ob es zukünftig weiter in Suhl Demonstrationen gibt, bleibt offen. Für weitere Infos dazu checkt den Blog des Fuck-Sügida Bündnisses.

Bilder

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