Suhl: Proteste von zwei Seiten gegen den sechsten Sügida-Aufmarsch

Quelle: Antifa Suhl/Zella-Mehlis

Auch zum sechsten Sügida-Aufmarsch zogen am Montag, dem 23. Februar 2015, Nazis und andere Rassisten durch Suhl. Dieses Mal gab es eine kleine Demonstration vom NoSügida-Bündnis und Proteste von zwei Seiten gegen die Sügisten auf dem Platz der deutschen Einheit. Die Tendenz, dass sowohl SÜGIDA als auch NoSÜGIDA die Teilnehmer weglaufen, hielt an.



Naziaufmarsch

Der sechste Sügida-Aufmarsch stand unter dem Motto: Gegen Polizeiwillkür und Gewalt. Ersteres ist eine Folge der Bekanntgabe der Organisatoren um Yvonne Wieland und Tommy Frenck, dass ihre Veranstaltung am 16. Februar auf Grund angeblichen Polizeinotstandes ausfallen müsse, was sich allerdings im Nachhinein als Märchen heraus stellte. Auch dieses Mal verloren die Nazis weiter an Zulauf. Es kamen ca. 300 Rassisten auf dem Platz der deutschen Einheit zusammen.

Insgesamt lief es genauso ab, wie die letzten Male. Es gab verschiedene Redner, u.a. David Köckert aus Greiz, der über die angeblich umgreifende Gewalt und Kriminalität im Umfeld von Asylbewerberheimen sprach. Dass er damit Angriffe auf diese Heime von Nazis und anderen Deutschen meint, ist unwahrscheinlich. Danach liefen sie wieder mit einem Demonstrationszug durch die Stadt, wobei man hier merkte, dass auch bei den Nazis langsam die Luft raus ist. Das scheint einige Teilnehmer immer mehr und mehr zu frustrieren. Sichtbar daran, dass sie sich nicht mehr so leicht an die Kette nehmen lassen. Der Nazischläger Marcus Russwurm etwa lief Patrouille durch die bürgerliche Gegendemo auf der Suche nach Leuten, die mit ihm Streit anfangen. Auch das wiederholte Zeigen des Hitlergrußes, das Verwenden eines Transparentes einer verfassungswidrigen Organisation und das Mitführen eines Messers verdeutlicht diese Tendenz.

Proteste

Dieses Mal fing der Protest schon in der Nacht vom 22. zum 23. Februar an. In dieser Nacht hingen Antifaschist_innen am Suhler Viadukt ein Transparent mit dem Hinweis auf die Fuck-Sügida-Kampagne auf. Dieses wurde leider schon am folgenden Mittag vom Ordnungsamt, mit Hilfe der Feuerwehr, abgenommen. Weiter ging es 17:45 Uhr mit einem Friedensgebet in der Hauptkirche. Ob die Anrufung eines Gottes eine wirksame Form des Protestes gegen Rassismus ist, lässt sich bezweifeln, „denn die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik!“ (Punkt 8 des Fuck-Sügida Positionspapier) Danach fand 18 Uhr auf dem Marktplatz die Kundgebung mit ca. 100 Teilnehmer_innen des NoSügida-Bündnisses statt. Hier spielte ein Liedermacher und es sprachen Landolf Scherzer und Bürgermeister Klaus Lamprecht. Mit Scherzer, ein Dietzhäuser (Dietzhausen: Kaff bei Suhl) Schriftsteller, wollte man wohl ein wenig Lokalprominenz auffahren. Dieser „glänzte“ mit seinen Spanischkenntnissen („No pasarán“ und „Venceremos“), rief seine Schriftstellerkollegen in einem Brief dazu auf, sich Fremdenfeindlichkeit in den Weg zu stellen und ihre signierten Bücher an das Buchhaus Suhl zu schicken, die da dann verkauft werden können. Der Erlös soll an die humanitäre Flüchtlingshilfe Thüringen und an das Nazi-Aussteiger Programm Exit gehen. Nach den Reden und der Musik startete eine kurze Demonstration durch die Innenstadt zum CCS, wo wieder ein Bürgerforum stattfinden sollte. An runden Tischen versammelten sich Politiker_innen, die sich den „besorgten“ Bürgern mit ihren Fragen stellen wollten. Insgesamt fand das wenig Anklang. Auch vor dem CCS versammelten sich wieder Protestierende, die die Nazis mit Pfeifen und „Wir sind bunt“-Rufen nerven wollten.

Zur gleichen Zeit kamen Antifaschist_innen oberhalb des Platzes der deutschen Einheit, vor dem Hotel Thüringen, zusammen, um die Nazis unter anderem mit dem Motto des Fuck-Sügida-Bündnisses („Es lebe der Verrat an Vaterland und Staat“) zu stören.

Nach dem die SÜGIDisten ihre Demonstration gestartet hatten, vermieste eine kleine Gruppe Antifas an der Naziroute ihnen noch ein wenig ihren „Spaziergang“.

Ein besonderes „Highlight“ des Abends, war ein stattfindender „Dialog“ zwischen NoSügida und Sügida. Der Anmelder von Sügida und Gegendemonstranten diskutierten über Lautsprecher miteinander, während die Nazidemo noch am Laufen war. Was der Inhalt der Diskussion war, können wir nicht sagen, jedoch das Ergebnis erahnen: Es kam nichts bei raus. Solche Diskussionen liegen dem Irrtum auf, dass man Rassismus mit rationalen Argumenten beikommen könnte, da Rassisten nur ein Mangel an Informationen über Flüchtlinge und ihre Fluchtgründe hätten. Dass Rassismus ein notwendig gesellschaftliches Verhältnis ist, dem man nur ein Ende machen kann, in dem der Kapitalismus abgeschafft wird, versteht man dabei nicht (vgl. Punkt 2 und 3 des Fuck-Sügida Positionspapieres).

Fazit

Auch diesmal waren es wieder weniger SÜGIDisten, aber leider auch wieder weniger Gegendemonstrant_innen geworden. Das Kräfteverhältnis wird immer schlechter und es bleibt abzuwarten, wann aus den sinkenden Teilnehmerzahlen bei den Nazis soviel Frust aufsteigt, dass sie nicht mehr so „friedlich“ bleiben und es dann auch mal zu handfesten Auseinandersetzungen auf Seiten der Schlägernazis kommt. Hoffen wir, dass es sich einfach bald im Sand verläuft und man montags wieder was Sinnvolleres machen kann – wie beispielsweise in Erfurt eine Abschiebung zu verhindern.

Bilder

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